#unfrei

Über 40 Mio. Menschen leben #unfrei

Überall auf der Welt sind Menschen #unfrei. Betroffen von Sklaverei und Menschenhandel leben sie in ständiger Angst vor Gewalt, Unterdrückung und Freiheitsberaubung. Obwohl Sklaverei überall auf der Welt verboten ist, gibt es in 167 Ländern der Welt* unfreie Menschen – und es werden immer mehr.

*Quelle: ILO und Walk Free Foundation 2017

Aber was bedeutet es #unfrei zu sein?

Menschen, die als moderne Sklaven zur Verrichtung von Zwangsarbeit, Zwangsprostitution oder Kinderarbeit gezwungen werden, sind #unfrei.

71 % der Opfer von Menschenhandel sind Frauen und Mädchen. Sie alle sind #unfrei!

Not macht #unfrei

Not macht #unfrei

Plötzliche Notfälle wie die Krankheit eines Familienmitgliedes oder der Tod der Eltern treiben viele Menschen in die Hände von Menschenhändlern und skrupellosen Geschäftsleuten. Schnell verdientes Geld oder spontan angebotene Kleinstkredite als Hilfe entpuppen sich dabei oft als Einstieg in die Schuldknechtschaft und somit in die Sklaverei.

Rechtlosigkeit macht #unfrei

Millionen Menschen sind #unfrei, weil niemand sie beschützt. Obwohl es überall Gesetze gegen Sklaverei gibt, werden sie oft nicht angewandt. Polizei und Behörden sind überfordert oder korrupt. Deshalb betrifft Sklaverei vor allem arme Menschen. Sie haben keine Möglichkeit, sich in einem ungerechten System durchzusetzen. Täter nutzen ihre Ohnmacht aus, wenn sie keine Strafen fürchten müssen.

Sie sind #unfrei.

Es ist Zeit, etwas dagegen zu tun!

Es ist Zeit, etwas dagegen zu tun

Setze ein Zeichen

Nutze deine eigene Freiheit und mach so darauf aufmerksam, dass Sklaverei existiert.

#unfrei hat eine Geschichte

Shefali – #unfrei durch Zwangsprostitution

Shefalis Geschichte

Shefali wächst #frei in einem kleinen Dorf in Indien auf. Ihre Eltern sind arme Bauern, die sie mit 12 Jahren an einen älteren Mann verheiraten, um sie versorgt zu wissen. Doch bereits nach drei Jahren lässt er sich wieder scheiden. Shefali ist ihm nicht schön genug. Mittel- und hoffnungslos verlässt sich die erst 15-jährige auf eine Frau, die ihr einen Job verspricht, sie jedoch an ein Bordell verkauft.

Von nun an wird Shefali für etwa 2,50 Euro pro Stunde jeden Tag mehrmals vergewaltigt. Sie und die anderen gefangenen Mädchen müssen schreckliche Erniedrigungen ertragen. Alles Geld geht direkt in die Hände der Bordellbesitzerin. Sie schlägt und bedroht die Mädchen, wenn sie sich wehren, mit den Kunden Sex zu haben. Sie alle sind #unfrei. Eines Tages stellt Shefali fest, dass sie schwanger ist. Sie ist vollkommen verzweifelt und sieht keine Perspektive für sich und das Kind.

Inmitten dieser grauenvollen Realität von Zwangsprostitution werden eines Tages IJM-Ermittler auf das junge Mädchen aufmerksam. Sie vermuten noch mehr Minderjährige in dem Bordell und schalten die Polizei ein. Das gesamte Haus wird von der Polizei gestürmt und die Bordellbesitzerin verhaftet. Shefali und die anderen Mädchen sind plötzlich #frei.

Die erste Zeit in Freiheit ist nicht einfach für Shefali. Schwanger, geschieden, ohne Schulausbildung, fühlte sie sich wertlos und verloren. Doch die Sozialarbeiterin von IJM macht ihr behutsam deutlich, dass es für sie nicht zu spät ist. IJM findet für Shefali und ihren kleinen Sohn Sankti, den sie zur Welt gebracht hat, einen Platz in einer Nachsorgeeinrichtung. Nach und nach kann sie die Hoffnung für ihr Leben zurückgewinnen. Mutig sagt sie im Prozess gegen die Bordellbesitzerin aus, die schließlich zu 7 Jahren Haft verurteilt wird.

Während ihr Sohn in die Vorschule geht, kann auch Shefali endlich ihre Schulbildung nachholen. Sie lernt lesen und schreiben, schließt mit viel Fleiß danach eine Ausbildung zur Schneiderin ab. Heute hat sie eine gute Arbeitsstelle und lebt mit ihrem Sohn in einer eigenen Wohnung.

„Shefali hat einen langen Weg zurückgelegt. Ich sehe, wie sie mutig den Hindernissen in ihrem Leben begegnet und niemals aufgibt. Sie ist eine Kämpferin, die mich sehr inspiriert.“ - Shefalis Anwältin

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Gowri – #unfrei und versklavt

Gowris Geschichte

Gowri und ihr Mann Kumar leben mit ihrer kleinen Tochter in ärmlichen Verhältnissen. Aber sie arbeiten hart, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Eines Tages ist Gowri wieder schwanger. Komplikationen treten auf und sie braucht besondere medizinische Hilfe. Doch die ist teuer. Kumar fragt seinen Chef, den Besitzer einer Holz- und Ziegelsteinfabrik, nach einem Kredit.

Er bekommt 25,000 Rupien, etwa 350 €. Dafür müssen er und Gowri sich jedoch verpflichten, das Geld durch mehr Arbeit in der Fabrik abzuarbeiten. Pro Tag verdienen die beiden umgerechnet 22 Cent zusammen. Von nun an dürfen sie das Fabrikgelände nicht mehr verlassen, werden bedroht und streng überwacht – sie sind #unfrei. Nach Jahren in Zwangsarbeit schaffen sie es jedoch, ihre Schulden zurück zu zahlen.

Gowri sieht sich nach anderer Arbeit um, sie möchte die Fabrik endlich hinter sich lassen, um #frei und unabhängig zu sein. Doch ihr Chef erfährt von ihrem Plan. Gowri wird Zeugin davon, wie er ihre Tochter brutal schlägt, um sie einzuschüchtern und am Gehen zu hindern. Mutig stellt sie sich ihm entgegen. Im nächsten Moment wird auch sie von ihm niedergeschlagen und brutal getreten. Ihr ist klar, dass diese Gewalt niemals enden wird, wenn sich niemand wehrt. Ihr ist auch klar, dass sie Hilfe von außen braucht. Gowri kontaktiert IJM. Ihre Aussagen führen schließlich dazu, dass IJM mit Hilfe der Polizei vor Ort alle Familien befreien können, die in der Fabrik gefangen waren.

Doch der Besitzer kommt wieder auf freien Fuß. Er droht seinen ehemaligen Arbeitern damit, ihre Häuser niederzubrennen, wenn sie nicht zu ihm zurückkämen. Gowri nimmt erneut allen Mut zusammen und widersetzt sich der Gewalt und der erneuten Aussicht #unfrei zu sein. Sie überzeugt die anderen Familien, vor Gericht gegen den Mann auszusagen und nicht aufzugeben. Das erfordert viel Ausdauer, da sich Gerichtsverfahren oft jahrelang hinziehen und die Familien sehr große Angst haben. Anwälte von IJM arbeiten währenddessen unermüdlich an dem Fall und erreichen schließlich, dass der Prozess beginnt und der Besitzer in Untersuchungshaft kommt.

Gowri hat viel Stärke gezeigt. Sie hat Verantwortung für ihre eigene Familie und andere übernommen. „Ich hätte keine richtige Mutter für meine Kinder sein können, wenn wir immer noch in Sklaverei leben müssten“, sagte sie. Sie arbeitet heute als Blumenpflückerin und kann neben der Arbeit endlich das tun, was sie sich immer gewünscht hat: ihre Kinder fördern. Sie gehen zur Schule und lernen eifrig. „Ich wünsche mir, dass sie studieren und eine gesicherte Zukunft für sich und andere aufbauen können“, sagt Gowri.

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Gideon – #unfrei

Gideons Geschichte

„Mein Name ist Gideon. Ich komme aus Ningo. Wie alt ich bin, weiß ich nicht“, sagt der Junge, der auf etwa 12 Jahre geschätzt wird. Die harte Arbeit in der Fischerei hat Spuren hinterlassen, nicht nur die Narben an Armen und Beinen. Er wirkt viele Jahre älter. An seine Kindheit erinnert er sich kaum. „Als ich klein war, war ich gesund und ich freute mich sehr darauf, bald in die Schule zu gehen“, sagt Gideon. Doch er ging nicht eine Stunde zum Unterricht.

Ein skrupelloser Kinderhändler nahm Gideon seiner Mutter weg und entführte ihn in die Fischerei. Als Kindersklave fischte er Tag und Nacht auf dem Voltasee.

Zehntausende Kinder arbeiten auf dem 8.500 Quadratkilometer großen See in der Fischindustrie, viele #unfrei. Experten in Ghana schätzen die Zahl der Jungen, die brutal zur Arbeit gezwungen werden, auf 35.000 bis 50.000 – einige kaum älter als 4 Jahre. Die Kinder müssen oft mit den Fischen kämpfen, die sie mit ihren scharfen Zähnen oder Stacheln verletzen. Verfängt sich ein Netz unter Wasser, müssen sie tauchen, um die Netze zu befreien. Viele von ihnen ertrinken bei dem Versuch, da sie nicht richtig schwimmen können.

Auch Gideon litt. „Ich wurde oft geschlagen. Ich bettelte, zurück zu meiner Mutter zu dürfen. Doch der Mann, der mich entführt hatte, sagte, sie sei tot. Es gäbe kein zu Hause mehr“, sagt Gideon. Auch sein siebenjähriger Bruder wurde zum Fischen gezwungen und Gideon musste zusehen, wie auch er geschlagen wurde.

Ermittler von IJM recherchierten wochenlang, um nach Kindern zu suchen, die wie Gideon versklavt sind. Sie fanden Gideon und befreiten mit ihm zusammen neun weitere Jungen. Acht Männer wurden wegen Verdacht auf Kinderhandel zeitgleich von der Polizei verhaftet. Es war die erste Befreiung des IJM-Büros in Ghana, das 2014 gegründet wurde.

Von Gideons Bruder fehlt bis heute jede Spur. Er ist irgendwo da draußen – so wie tausende andere Kinder, die #unfrei leben müssen. „Ich wünsche mir, dass mein Bruder bald bei mir sein kann, in Freiheit“, sagt Gideon.

IJM sucht weiter nach Jungen, die in der Fischerei versklavt werden – und besonders nach Gideons Bruder.

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